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Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e.V.

Interview mit Joschka Fischer Religiöse Überzeugungen sind immer und immer wieder eine Gefahr für die Humanität in einer Gesellschaft: Ob es sich um Grausamkeiten wie die Verstümmelung kleiner Mädchen handelt, die im Namen einer Heilslehre vorgenommen werden, oder "nur" um die "seelische Grausamkeit" gegen kleine Kinder in unserer eigenen Kultur, die darin besteht, diese Kinder für das Ausleben ihrer sexuellen Impulse mit Schuldgefühlen und entsprechenden ängstigenden Phantasien zu quälen, wie es in den christlichen Religionen, speziell dem Katholizismus, geschieht. In beiden Fällen wird auf unterschiedliche Weise die Fähigkeit, ein erfülltes Leben zu leben, ohne irgendeinen auch nur annähernd nachvollziehbaren vernünftigen Grund in frühen Jahren zerstört oder schwer beeinträchtigt.

 Wenn es um religiöse Überzeugungen geht, dann setzt auch bei Menschen, die durchaus intelligent und in der Lage sind, ihr Handeln normalerweise vernünftig zu begründen, der Verstand sehr oft schlicht aus.

 In einem Buch, das von anmesty international herausgegeben wurde, werden Menschenrechtsverletzungen aufgrund der sexuellen Orientierung dokumentiert. In einer Rezension dieses Buches von Sonja Chevallier (erschienen in der Zeitschrift "Dr. med. Mabuse", Nr. 123, Jan./Febr. 2000, S. 62 f.) heißt es: "Während hierzulande inzwischen weder gleichgeschlechtliche Lebensweise noch Transsexualität besondere Aufmerksamkeit hervorzurufen scheinen, ja, kaum geeignet sind, die Einschaltquoten von Talk-Shows in die Höhe zu drücken, werden in vielen Staaten der Erde noch Menschen mißhandelt, vergewaltigt, inhaftiert, gefoltert und ermordet, nur weil sie nicht in das Schema von 'normaler Sexualität' passen - und wenn der Präsident von Simbabwe, Robert Mugabe, sagt: 'Ich finde es absolut unerhört und widerlich für mein menschliches Gewissen, daß solche abstoßenden Organisationen wie die der Homosexuellen, die sowohl die Naturgesetze als auch den unserer Gesellschaft zugrundeliegenden moralischen und religiösen Glauben beleidigen, Fürsprecher in unserer Mitte oder sogar irgendwo sonst auf der Welt haben sollen ...', so muß er sich mit dieser Meinung leider durchaus nicht isoliert fühlen." - Wie wahr - würden doch viele Millionen Deutsche diese Sätze auch heute noch unterschreiben!

 Wenn etwas ekelhaft und widerlich ist, dann diese hier von einem Präsidenten eines Staates geäußerte Ansicht!

 Eine empfehlenswerte Lektüre zu diesem Thema ist das Buch des Freiburger Psychologen Prof. Franz Buggle: "Denn sie wissen nicht, was sie glauben. - Warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann."

 Ein Thema, das von christlicher Ideologie in gleicher Weise beherrscht wird wie das Thema Sexualität, ist das Thema Tod und Sterben. Und auch hier wird im Namen einer Heilslehre die Humanität geopfert. Und das mit Unterstützung der Gerichte! (Und das ist der eigentliche Skandal.) Da werden dann, in einem multikulturellen Staat, private religiöse Überzeugungen schon mal über verfassungsmäßig verbürgte Rechte gestellt (z. B. das Recht auf Selbstbestimmung, auf Menschenwürde auch im Sterbeprozeß).

 Die "Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e. V." hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschenwürde und Selbstbestimmungsrecht beim Sterbeprozeß in unserem Lande (speziell gegen christlichen Fundamentalismus als deren ärgstem Feind), zu verteidigen.

 Merken denn diese fundamentalistisch orientierten Christen nicht, daß sie den Gegensatz von Christentum und Humanität, wie er sich in grauenvollen Episoden der Geschichte des Christentums zeigt (Hexenverfolgungen) und durch die christliche Sexualmoral noch heute perpetuiert wird (der sog. Beichtspiegel ist in großen Teilen nichts anderes als "seelische Grausamkeit" gegen Kinder), daß sie diesen Graben zwischen Christentum und Humanität immer weiter vertiefen?

 In dieser Rubrik finden Sie ausgewählte Nachrichten aus der Zeitschrift "Humanes Leben - Humanes Sterben", herausgegeben von der "Deutschen Gesellschaft für humanes Steben e. V.":

Heft 1/2000