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Satire

Wer ist eine Ratte?

Die Internetseite 'who's a rat' in den USA macht die Jäger zu Gejagten

Schon lange haben wir uns gefragt, warum in einem Land, in dem es rechtens ist, dass Sexualstraftäter in öffentlich zugänglichen Datenbanken an den Pranger gestellt und dem 'Zorn des Mobs' ausgeliefert werden, nicht schon längstens eine Datenbank für Informanten/Denunzianten ins Netz gestellt wurde, damit diese Barbaren, die meinen, Sexualstraftäter dürfe man wie Tiere behandeln und zur 'Jagd auf Menschen' blasen, einmal spüren, wie das ist, was sie da veranstalten. (Diese Pranger sind eine Barbarei, die diesen religiös motivierten sexuell verklemmten Idioten bei einem Mörder, der eine arme Rentnerin in ihrer Wohnung killt, um an paar Hundert Dollar zu kommen, offenbar nicht in den Sinn kommt.) Das haben wir uns schon lange gefragt - und uns auch gefragt, warum es in den USA noch keine Richterdatenbank gibt. Immerhin ein Land, in dem allein seit dem Jahr 2000 35 Menschen wegen erwiesener Unschuld aus dem Todestrakt entlassen werden mussten (siehe dazu eine Meldung vom 24. 11. 2005 anläßlich der 1.000 Hinrichtung seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA im Jahre 1976 bei stern.de).

Wir können aufatmen für unsere Freunde in den USA. Ein Anfang ist gemacht.

 Ein Krimineller hat im Jahre 2007, begleitet von einem heuchlerische Aufschrei der Medien und der Bevölkerung, eine Seite ins Netz gestellt, auf der die Rollen einmal vertauscht werden: Die Jäger werden zu Gejagten. Endlich! - Schade nur, dass es ein Krimineller sein musste, und schade nur, dass vermutlich nichts als Rachebedürfnis die Motivation sein dürfte. Aber ein dringend notwendiger Schritt in einem Land, dessen religiöser Fanatismus (nicht nur seit Busch) nur noch von streng muslimisch orientierten Ländern übertroffen wird, in einem Land, in dem Jagd auf Menschen sogar offiziell von der Regierung gestützt wird, wie die Sexualstraftäterdatei zeigt. Die Datenbank wurde aktuell auch um die Rubrik 'Juristen' erweitert. Na, also ... - Sehr schön auch die Rubrik 'rats of the week', eine Idee, die wir in der Redaktion mal wohlwollend diskutieren sollten.

 Dieser heuchlerische Aufschrei, der durch das Land ging (siehe dazu einen Bericht in DER SPIEGEL) nutzte gottlob nichts: Die Seite ist, trotz massiver Versuche, sie aus dem Netz nehmen zu lassen, noch immer aktiv: Wer ist eine Ratte (Who's a rat)? . Das ist dann eben doch beeindruckend bei den Amis: Die Gerichte geben der Meinungsfreiheit traditionell einen deutlichen höheren Stellenwert als in Deutschland, wo man ja dem Missbrauch des Beleidigungsparagraphen (besonders gern durch Juristen selbst) und dem grassierenden Abmahn-Wahnsinn alle Türen öffnet. Im law blog schrieb ein Teilnehmer zu dem heuchlerischen Aufschrei der 'Law and Order-Fraktion' damals: «hm, komisch. wenn es um die öffentliche sexualstraftäterdatei in den usa geht, dann ist die argumentation, in bezug auf die lynchjustiz, seltsamerweise eine gegenteilige. diese datei hat, im gegengsatz zu der genannten seite, nämlich schon todesopfer gefordert.» Und ein anderer Teilnehmer meinte: «Die grundlegende Idee, so die US-Behörden, der Sextäterdatenbank ist es, die Menschen vor den Bösewichtern zu schützen. "Vorsicht das ist ein Bösewicht". Nun haben Informanten teilweise auch schon sehr sehr falsche Informationen gegeben, damit sie dafür irgendwie kassieren können. Ein Informant der nix zu informieren hat ist ja nutzlos. Und um sich davor zu schützen sollte man die Daten der Informanten sehr wohl ebenso veröffentlichen. Damit man sich vor ungerechtfertigten Angriffen schützen kann. Der Lynchjustiz wird damit Vorschub geleistet? Ach na ja, ein paar Morde akzeptiert man bei der Sextäterdatenbank ja auch ohne ein angefressenes Gewissen. Sollte also bei der Informantendatenbank auch nicht anders sein.»

 Dem ist unsererseits nichts hinzuzufügen.

Die Redaktion
18.6.2008