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Wenn es um Sexualität geht, dann müssen Kinder und Jugendliche nach Auffassung der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika unter George Bush mit allen Mitteln vor vermeintlichem Schaden bewahrt werden. Das darf auch kosten! (Siehe die Angst aufgeklärter Amerikaner vor dem erschreckenden religiösen Fundamentalismus des mächtigsten Mannes der Erde.) - Aber wenn es um 'das Leben' von Kindern geht (um ihre Gesundheit, ihr körperliches Wohlergehen), das durch eine unglaubliche Verantwortungslosigkeit der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika in Gefahr ist, dann erntet auch eine Monarchin wie Prinzession Caroline von Monaco einfach Schweigen (und in einem solchen Fall hört man auch nichts von "Milliardenklagen" cleverer amerikanischer Anwälte, wie man es aus diesem Lande doch eigentlich kennt ...).

Siehe auch den Fall Raoul (der darf nicht in Vergessenheit geraten!).

Skrupellos und heuchlerisch: Der gefährlichste religiöse Fundamentalist dieser Erde, George W. Bush, heulte im September 2002 wohl nur "Krokodilstränen", als er sich der im WTC getöteten Kinder erinnerte!

 Sie ist die Ikone der Eleganz: Prinzessin Caroline, 45. Die meistfotografierte Frau der Welt, und für viele sogar die schönste. Niemand ist prominenter als sie, die First Lady von Monaco und Königliche Hoheit seit ihrer Hochzeit mit Ernst August von Hannover, 48.

 Natürlich wusste man, dass die vierfache Mutter Präsidentin des Roten Krenzes von Monaco und der Princess Grace Foundation ist. Aufgrund ihrer Position und als Herzensangelegenheit. Was weniger bekannt war: Caroline ist auch Präsidentin der Kinderhilfsorganisation Association Mondiale des Amis de l'Enfance (AMADE), die ihre Mutter Gracia Pamcia 1963 gründete.

 Eine Tatsache, die bald weiten Kreisen bekannt sein wird. Denn Caroline hat einen Brief an US-Präsident George W. Buch, 56, geschrieben: geschliffen diplomatisch im Ton, im Inhalt anklagend, kompromisslos. Inhalt: Vor über zehn Jahren verließen US-Streitkräfte die größten Militärstützpunkte außerhalb Amerikas - Clark Air Base und Subic Naval Base auf den Philippinen. Sie hinterließen tonnenweise Giftstoffe, die bis heute tausende, vor allem Kinder, das Leben kosten.

 Am Freitag, den 2. August 2002, hat Carnilne ihn abgeschickt. Handgeschrieben, im Namen von AMADE, auf Englisch und dem Papier des Grimaldi-Palastes. Absender: Ihre Königliche Hoheit Prinzessin von Hannover, Präsidentin von AMADE. Aber als Bush zwei Monate lang nichts von sich hören ließ, da übergab AMADE am 15. Oktober 2002 den Brief der französischen Nachrichtenagentur AFP und dem Hausblatt der Grimaldis, "Nice-Matin" in Nizza.

 Wie wurde Caroline auf die Missstände auf den Philippinen aufmerksam? Wieso engagiert sie sich gerade dort so stark, dass sie es sogar wagt, Bush ins Gewissen zu reden?

 Jacques Daneis, Generalsekretär von AMADE, zu BUNTE: "Der Präsident unserer Niederlassung auf den Philippinen klärte sie über die zum Teil lebensgefährlichen Situationen auf und bat um ihre Hilfe. Sie war besonders geschockt von den Fotos der behinderten Kinder und erklärte sich sofort dazu bereit, weil das Wohlergehen der Kinder weltweit für sie absolute Priorität hat."

 In ihrem Brief an Bush drückt Caroline ihr Entsetzen so aus: "Es scheint, dass die US-Armee die Philippinen 1991 verlassen hat, ohne der Säuberung verseuchter Gewässer und Böden ... nachzukommen. Nach dem Rückzug ... sind zehntausende ... an den Auswirkungen dieser Verseuchung gestorben."

 Aber Caroline wird noch konkreter, noch anklagender: "Schwangere Frauen, die dieser Verseuchung ausgesetzt waren, gebären bis heute Kinder mit schweren Behinderungen sowie verminderter Lebenserwartung. Hunderttausende von Kindern werden in den nächsten zehn Jahren an den Folgen dieser giftigen Altlasten sterben."

 Der Schlusssatz von Carolines Brief kommt einer Beschwörung gleich. Denn sie, Prinzessin eines Zwegstaates, ist tief betroffen und fordert Bush, Präsident der einzig verbliebenen Weltmacht, auf: "Ich möchte Sie darum bitten, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um für tausende wn Menschen diese kritische und bedrohliche Situation zu beenden."

 Dann fordert Caroline: "Des Weiteren bitte ich dringend um die erforderliche hurnanitäre Hilfe und die Entschädigung der Opfer und ihrer Familien. In der Hoffnung, dass Sie mein Anliegen mit größter Dringlichkeit behandeln und der Situation der Familien und ihrer Kinder die größte Aufrnerksamkeit schenken, wünsche ich mir, dass Sie die entspechenden Schritte mit größter Sorgfalt und Eile in die Wege leiten, um dieser extrem lebensbedrohlichen Situation ein schnelles Ende zu setzen."

 Eindringliche Worte, die bisher ohne Antwort blieben: "Weder wir noch die Prinzessin haben bis jetzt eine Antwort von Präsident Bush oder einem seiner Pressesprecher aus dem Weißen Haus erhalten", sagte Generalsekretär Danois. Auf eigene Recherche hörte BUNTE nur: "Kein Kommentar."

 Als BUNTE auf den Philippinen nachfragte, sagte Dominique Lemay, Vizepräsidentin von AMADE in Manila, am Telefon "Bisher gab es keine Reaktion der US-Regierung auf das Schreiben und unserer Prdsidentin Gloria Arroyo sind leider die Hände gebunden. Sie ist sich der Problematik bewusst, doch die Philippinen sind zu sehr auf das Wohlmollen der USA angewiesen, da sie wirtschaflich abhängig sind."

 Jetzt hofft AMADE, dass der Druck auf die USA durch die Veröffentlichung von Carolines Brief wächst. Generalsekretär Jacques Danois zu BUNTE: "Wir wollten klarstellen, dass im Hinblick auf George Bushs Haltung bezüglich einer militäririschen Intervention im Irak erst einmal die gefährlichen und verheerenden Folgen anderer Konflikte beseitigt werden sollte."

 Wir erleben eine neue Caroline. Eine 45jährige Frau, die nicht mehr nur repräsentiert, sondern politische und humanitäre Veranöchte, die keine Kinder mehr umbringt.

FELIX HUTT/ANGELA SARKIS (Autoren von BUNTE)
November 2002

Siehe auch Die unerträgliche Heuchelei der Amerikaner, wenn es um den "Schutz von Kindern" geht