85.10.196.204 www.ver(GE)WALTung.de www.fehlinformation.info www.machtmissbrauch.info www.kundenreklamation.info
www.beschwerdezentrum.org > alle Nachrichten > Streifenpolizist beschlagnahmt Kamera von SPIEGEL-TV

Streifenpolizist Roman Krawczyk (Polizei Karlsruhe) beschlagnahmt Kamera von SPIEGEL-TV

Was ist die Pressefreiheit noch wert, wenn jeder Streifenpolizist nach Gutdünken die freie Berichterstattung über einen Polizeieinsatz dadurch verhindern kann, dass er einfach die Kamera beschlagnahmt?

Was Roman Krawczyk, Streifenpolizist vom Polizeirevier Südwest in Karlsruhe, sich am Sonntag, 28. Juli 2002, am Ortsausgang von Karlsruhe da geleistet hat (und was von seinem Vorgesetzten sogar noch abgesegnet wurde), wird ihn und seinen Vorgesetzten hoffentlich noch sehr teuer zu stehen kommen, denn dort wurden Methoden angewendet, die wir eigentlich nur von totalitären Staaten kennen:

 Ein Kamerateam von SPIEGEL-TV wollte am Sonntag eine Reportage über die Bürgerrechtsbewegung 'Wald-FKK' drehen, die von dem bundesweit als "Nacktläufer von Freiburg" bekannt gewordenen Sexualtherapeuten Dr. Peter Niehenke im Jahre 1998 gegründet wurde. Am Tag zuvor hatte die jährliche "Wald-FKK-Radtour" (auf nebenstehendes Foto klicken) stattgefunden, aber die meisten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben eine Scheu, sich in den Medien zu ihrer aktiven Unterstützung dieser Bewegung zu bekennen. Sie müssen, so sieht das leider in Deutschland noch heute aus, Repressalien seitens ihrer Vorgesetzten (eine Reihe von Teilnehmern sind im Schuldienst) oder ihrer Arbeitgeber befürchten. So blieben zum Dreh am Sonntag nur noch fünf männliche Aktivisten übrig.

 Das Team von SPIEGEL-TV traf sich mit diesen fünf Aktivisten vor dem Karlsruher Hauptbahnhof und fuhr dann gemeinsam mit ihnen zu der Stelle am Stadtrand von Karlsruhe, an der sich die Gruppe üblicherweise der letzten Reste an Kleidung entledigt. Nach dem Ausziehen gab es die ersten Interviews. Kurz nach Beendigung dieser Interviews, als die Gruppe sich gerade auf den Weg machen wollte, trafen zwei Polizisten (eine Dame und ein Herr, der sich später am Telefon gegenüber dem Rechtsanwalt von SPIEGEL-TV als Roman Krawczyk vom Polizeirevier Südwest in Karlsruhe auswies) am Ort ein. Herr Krawczyk verlangte, als er bei der Gruppe angekommen war, in barschem Ton, dass die Kamera abgeschaltet werden müsse. Das ist wirklich unglaublich: Da verlangt ein kleiner Streifenpolizist, dass die Presse gefälligst wegzuschauen hat, wenn er eine dienstliche Handlung vornimmt (schließlich will die Polizei ja nicht öffentlich kontrolliert werden bei dem, was sie tut ...). Der Kameramann folgte begreiflicherweise dieser Aufforderung nicht, worauf Herr Krawczyk ohne Umschweife die Kamera für 'beschlagnahmt' erklärte und sie dem Kameramann aus der Hand nehmen wollte. Als dieser die Kamera nicht sofort loslassen wollte, rief Herr Krawczyk über Funk weitere Polizei herbei mit der Begründung: "Hier ist mit Widerstand gegen unsere Maßnahmen zu rechnen!"

 Der verantwortliche Journalist telefoniert per Handy mit einem Rechtsanwalt, der dann den Polizisten zu sprechen wünschte. Offenbar wurde ihm deutlich gemacht, dass er gerade rechtswidrig handle. Er ließ sich dadurch aber nicht im mindesten beeindrucken und meinte, das könne man ja mit seinem Vorgesetzten klären. So waren die Dreharbeiten zunächst beendet und das SPIEGEL-TV-Team fuhr mit Herrn Krawczyk ins Revier. Dort wurde seitens des Vorgesetzten (der Name ist uns derzeit leider noch nicht bekannt) die Unverschämtheit noch einmal um eine neue Variante erweitert: Man bedeutete den Journalisten, dass sie nur nicht zu aufmüpfig sein sollten, sonst werde man sie noch wegen "Anstiftung zu einer Straftat" dran bekommen!

 Offenbar leben wir in einem 'Polizeistaat' und es bleibt abzuwarten, welche (strafrechtlichen oder mindestens dienstrechlichen) Konsequenzen dieser unverschämte Eingriff in die Pressefreiheit für die Betroffenen hat.

 Dass der Dreh letztlich doch noch lustig wurde und (wenn auch nur noch mit drei der ursprünglich fünf Aktivisten und mit viel Geduld, weil die Dreharbeiten sich bis in den späten Abend hinzogen) zu einem guten Ende geführt werden konnte, ist der Improvisationsgabe des Fernsehteams und dem Durchhaltevermögen der drei Aktivisten zu verdanken. Gesendet wird der Beitrag in SPIEGEL-TV EXTRA Ende September.

Dr. Peter Niehenke
01. August 2002

Was ist Ihre Meinung?

Wenn Sie über das Thema diskutieren wollen, führt Sie ein Klick direkt zum
entsprechenden Thread im Forum der 'Bürgerinitiative Wald-FKK'.