Mobbing bei ?
Deckt die Firmenleitung von "Praktiker" Mobbing durch leitende Angestellte?
Aufruf an die Mitarbeiter in den mehr als 180 PRAKTIKER-Märkten in Deutschland.
Mobbing ist für die jeweiligen Opfer in der Regel mit schweren psychischen Beeinträchtigungen verbunden. Unter Bezugnahme auf einen Artikel in der aktuellen Ausgabe der "Ärzte-Zeitung" berichtete dpa am 27. 3. dieses Jahres über eine Experten-Anhörung der AOK Schleswig Holstein, der zufolge Mobbing-Opfer, von denen es in Deutschland zwischen 1,5 und 2,5 Millionen gebe, sehr häufig auch körperlich erkranken würden (siehe auch bei "Online FOCUS": Wenn der Arbeitsplatz zur Hölle wird). Schweißausbrüche, Herzklopfen und Verdauungsprobleme gingen auf das Konto der Schikanen, und diese Beeinträchtigungen zählen noch zu den harmlosen Folgen. Nach den Medien erkennt nun auch die Politik die Dimension dieses Problems: Das Düsseldorfer Arbeitsministerium z. B. hat im März dieses Jahres eine Dauer-Hotline für Mobbing-Opfer eingerichtet. Der volkswirtschaftliche Schaden durch Mobbing wird dort auf etwa 50 Mio. Euro pro Jahr geschätzt.
Dieser aktuelle Bezug hat Mitgliedern unserer Redaktion wieder in Erinnerung gerufen, dass Mitarbeiter von Praktiker aus zwei Städten Deutschlands in den zurückliegenden Monaten bereits zweimal mit uns Kontakt aufgenommen haben und (teilweise auch durch Zeugen bestätigt) von Vorfällen berichteten, die eindeutig als "Mobbing" zu qualifizieren sind. Besonders erschütternd an diesen Fällen ist, dass es sich nicht um Vorwürfe gegen Kollegen, sondern gegen leitende Angestellte von Praktiker handelt. Ein besonders eklatanter Fall wird von uns gerade genauer recherchiert. Opfer in diesem Fall ist ein Mitarbeiter des Marktes in Freiburg (N. B.) und der Mobbing-Verdacht richtet sich gegen den zuständigen Regionalleiter Werner M.
Im Zuge unserer Recherchen haben wir uns zunächst an den betroffenen Regionalleiter und an die Geschäftsleitung von Praktiker gewandt, haben die uns zugetragenen Vorwürfe genannt und um Aufklärung gebeten. Wir erhielten aber keineswegs eine Antwort von Herrn M., sondern wir erhielten einen Brief der Rechtsabteilung. Der Geschäftsleitung scheint an einer Aufklärung der Vorwürfe nicht im Mindesten gelegen zu sein; stattdessen wird "gemauert". Von Kooperationsbereitschaft kann jedenfalls keine Rede sein.
Was uns besonders erschüttert ist die Art und Weise, wie mit dem betroffenen Mitarbeiter nach Bekanntwerden der Mobbing-Vorwürfe umgegangen wird: Er bedufte nach den Geschehnissen therapeutischer Behandlung und wird dafür von der Geschäftsleitung nun erneut gedemütigt.
B. arbeitet seit 10 Jahren bei Praktiker. Seine Abteilung "steht wie 'ne Eins" (Zitat eines Mitglieds des Betriebsrates in Freiburg). Er ist jemand, der mitdenkt, der nicht einfach seinen Job macht und erst nach Feierabend "zu leben beginnt". Er ist beliebt bei seinen Kollegen und seine Vorgesetzten schätzen seine Ideen. Diesen engagierten Mitarbeiter lässt Regionalleiter Werner M. im Dezember letzten Jahres nach einem einzigen Gespräch buchstäblich "ins Bodenlose fallen", indem er ihn vor der Belegschaft durch einen (nach unseren Erkenntnissen völlig grundlosen) Vertrauensentzug "degradiert" (ihn von allen von seinem unmittelbaren Vorgesetzen, dem Marktleiter, übertragenen zusätzlichen Aufgaben, worunter u. a. auch der Schlüssel- oder Schließdienst gehörte, entbinden lässt). Eine nachvollziehbare Begründung gibt er nicht an. Bei uns entstand aufgrund des Ablaufs der Eindruck, dass für die Anordnung des Regionalleiters an den Marktleiter, Herrn B. sofort von allen zusätzlichen Aufgaben zu entbinden, nicht sachliche Gründe, sondern persönliche Gründe ausschlaggebend waren. Das wäre ein Akt der Willkür und des Missbrauchs von Macht. Im Zuge der dann aufgenommenen Recherchen wurden uns Begebenheiten aus anderen Märkten zugetragen, die unseren Eindruck, dass Regionalleiter Werner M. mit Untergebenen nicht immer "angemessen" umzugehen in der Lage ist, verstärkten.
Aufgrund der Haltung der Geschäftsleitung (statt zu den Vorwürfen angemessen Stellung zu nehmen wurde nun ein Rechtsanwaltsbüro eingeschaltet) möchten wir unsere Recherchen nun auf alle Märkte in Deutschland ausdehnen. Wir haben dazu ein Rundfax an alle deutschen Märkte geschickt, doch, wie nicht anders zu erwarten, haben nach unseren Recherchen die allermeisten Mitarbeiter davon natürlich nie etwas erfahren. Es ist uns zugetragen worden, dass es auch schon vorgekommen ist, dass Mitarbeitern von Praktiker vom Markleiter verboten wurde, mit uns zu reden.
Uns geht es nicht darum, Praktiker Schaden zuzufügen. Wir hatten daher bis heute von einer Veröffentlichung der Vorgänge auch abgesehen. Uns geht es darum, dass die Geschäftsführung das tut, was nach dem Gesetz ihre Pflicht ist: Alle notwendigen Anstrengungen zu unternehmen, Mobbing durch leitende Angestellte zu unterbinden.
Statt dessen setzt die Geschäftsleitung hier das Mobbing-Opfer weiter unter Druck und arbeitet mit Unterstellungen, die das Opfer in seiner Würde weiter verletzen. Und leider haben wir aufgrund aktueller Entwicklungen den Verdacht, dass dem Opfer gegenüber nun eine Art "Zermürbungs-Taktik" angewendet werden soll.
Angebot an die Mitarbeiter von "Praktiker"
Unterstützen Sie uns bei unserer Arbeit und melden Sie uns (notfalls auch anonym) per Brief, Fax, telefonisch oder per E-Mail Fälle, in denen leitenden Angestellte mit Mitarbeitern unfair umgegangen sind oder umgehen. Wenn Sie sich anonym äußern, vergessen Sie nicht, die Namen der leitenden Angestellten, um die es geht, den Markt, um den es geht, und das Datum (bzw. den Zeitraum) des von Ihnen geschilderten Vorgangs anzugeben.
Bedenken Sie, dass das, was N. B. in Freiburg passiert ist und was ihm jetzt passiert, wo er sich zu wehren beginnt, jedem von Ihnen jederzeit auch passieren kann. Unser Ziel ist es, Machtmissbrauch jeder Art anzuprangern und dadurch weiteren Machtmissbrauch zu verhindern.
Dr. Peter Niehenke
22. Juli 2002
P.S.: Regionalleiter Werner M. wurde zwischenzeitlich "ins Ausland versetzt". An der Situation für N. B. jedoch hat sich nichts geändert. Es gab kein "klärendes Gespräch" und keine Entschuldigung. Statt dessen soll, wie es scheint, auf perfide Weise subtil Druck auf ihn ausgeübt werden (man sucht nach einem Anlass, ihm eine Pflichtverletzung vorwerfen zu können).
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