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Online-Pranger für säumige Kunden?

Der "Online-Pranger" der Handelsagentur Pähler

 Das Forum "Kundenreklamation" hat als Titel: "Schlechter Service versus schlechte Zahlungsmoral". Dieser Titel wurde wohlüberlegt gewählt: Zu einem Geschäft (einem Verkauf, einer Dienstleistung) gehören nämlich zwei Partner, und beide Partner können Opfer werden, Opfer von Betrug, fehlender Fairness oder schlicht der Fahrlässigkeit und/oder Schlamperei des anderen. Der "getätschelte" Verbraucher ("König Kunde") ist gewöhnt, umworben zu werden, ihm wird geschmeichelt, er steht im Zentrum. Nicht wenige dieser "Könige" scheint das dazu zu verführen, nicht nur maßlos in ihren Forderungen zu werden (davon kann mancher für Reklamationen Zuständige ein Lied singen), sondern viele von ihnen nutzen ihren "königlichen Status" weidlich aus (siehe meinen Kommentar: Wenn König Kundes Verhalten so gar nicht königlich ist ... und die Kurzmeldung Bei den meisten Betrügereien im WEB sind nicht die Surfer, sondern die Online-Händler die Opfer).

 In dieser Situation scheint es mir ziemlich unüberlegt, in welcher Weise DER SPIEGEL eine Firma "an den Pranger stellt", weil sie sich gegen schlechte Zahlungsmoral zur Wehr zu setzen versucht, indem sie die Zahlungsunwilligen "an den Pranger stellt". Merken die Leute von DER SPIEGEL nicht, daß sie doch mit ihrem Bericht genau das tun ("an den Pranger stellen"), was sie dieser Firma ankreiden?

 Der Grund ist vermutlich, daß "Otto Normalverbraucher" grundsätzlich mal als "der Schwächere" eingestuft wird. Es ist aber heute nicht mehr realistisch, grundsätzlich die "Kunden" als die Schwächeren einzustufen, die in jedem Fall unsere Solidarität verdienen. In unserem Staat werden z. B. Mieter und Verbraucher (mit Recht!) durch die Rechtsprechung sehr weitgehend geschützt. Es ist keineswegs mehr angemessen, Vermieter und Anbieter (Firmen, Geschäften) grundsätzlich als die "Stärkeren", die mit mehr "Macht" ausgestatteten anzusehen. Sicher gibt es Fälle, in denen das ganz offensichtlich der Fall ist (man denke nur an die Machenschaften vieler Versicherungen, sich um ihre Zahlungsverpflichtungen zu drücken). Aber es gibt eben auch den Gegenpol. Es gibt sie leider: Die dreisten "kleinen Betrüger", die Waren bestellen und schon bei der Bestellung wissen, daß sie diese Waren niemals zu bezahlen gedenken, oder die Schlampigen und Fahrlässigen, die Rechnungen grundsätzlich erst nach der dritten Mahnung bezahlen (wenn überhaupt) usw. usw.

 Alle diese Menschen verursachen beachtliche "Flurschäden": Sie fördern das Mißtrauen im Geschäftsleben (keine Computerfirma versendet Artikel noch gegen Rechnung an Neukunden!) und sie bringen so manchen kleinen (Handwerks-) Betrieb wegen der vielen Außenstände auch mal an den Rand des Ruins.

 Ich kann sehr gut verstehen, daß eine Firma sich gegen diese "kleinen Schweinereien" zur Wehr setzen will. Und in meinen Augen ist es eine unerträgliche Doppelmoral, Firmen, die schlechten Service bieten, gnadenlos "an den Pranger zu stellen" (wie auch wir im Beschwerdezentrum das tun), für "Schweinereien" der anderen Seite aber blind und taub zu sein.

 Bei Leuten wie dem Baulöwen Schneider handelt es sich auch einfach um einen Menschen, der Betrügereien begangen hat. Wieso regt sich denn niemand auf, wenn dieser Mann "an den Pranger gestellt" wird? Es hat etwas Heuchlerisches. Und es will mir nicht einleuchten, den "Pranger" erst ab einer bestimmten Schadenssumme für "erlaubt" zu halten, denn die "Haltung" bei einer Schweinerei ist das Entscheidende, nicht die Schadenssumme (und so sehen das, ganz zu Recht, auch die Gerichte).

 Mich stört der "Pranger" der Fa. Pähler nicht, aber was ich von der Firma erwarten würde, wäre die Möglichkeit, daß die Angeschuldigten sich zu dem Vorwurf äußern können! Auch wir im Beschwerdezentrum haben eine Rubrik für die Leute mit "schlechter Zahlungsmoral". Aber wir versenden eben, wenn wir vom Beschwerdezentrum einen Fall darstellen, grundsätzlich an die öffentlich Beschuldigten einen Brief mit etwa folgendem Inhalt: "Das 'Beschwerdezentrum' ist ein Publikationsorgan im Internet, in dem leichtere oder schwere Fälle von Rechtsmißbrauch (Anwälte, Justiz), Machtmißbrauch (etwa wirtschaftliche Macht), Fehlinformation (Medien) oder Betrug durch die jeweiligen 'Opfer' in einem öffentlich zugänglichen Diskussionsfoum angeprangert werden können. Besonders schwere oder interessante Fälle werden von uns redaktionell bearbeitet und in entsprechenden Rubriken vorgestellt. ... Wir möchten Ihnen hiermit Gelegenheit geben, das ... vorab im Internet studieren zu können, um ggf. eine "Gegendarstellung" zu verfassen, die wir selbstverständlich in unmittelbarem Zusammenhang mit der Darstellung Ihres Falles ... veröffentlichen werden."

 Diese Vorgehensweise würden wir auch der Fa. Pähler empfehlen.

Dr. Peter Niehenke
24. Januar 2001

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